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Steinheim am Main Handkäs’ in Fachwerkwerk-Tradition
FACHWERKIDYLLE lädt in Steinheim zum Verweilen ein.
In die Altstadt führt die Darmstädter Straße; das „Friedensdenkmal“ erinnert an den Großherzog Ludwig und seine Verfassung; das Gasthaus nebenan heißt nahe liegend „Großherzog Ludwig“. Es ist unübersehbar, dass Steinheim am Main, heute ein Stadtteil von Hanau, ein gutes Jahrhundert lang zu Hessen-Darmstadt gehörte.
Doch nicht nur die Erinnerung an diese Zeit lohnt einen Besuch in dem malerischen Städtchen an der Deutschen Fachwerkstraße, denn in den letzten beiden Jahrzehnten hat es sich zu einem sehenswerten bauhistorischen Kleinod gemausert: Der Stadtmauerring ist an vielen Stellen wieder sichtbar, ein mittelalterlicher Torbau wieder zugänglich gemacht. Das vom 40 Meter hohen, zinnen- und türmchengekrönten Bergfried bewachte Schloss beherbergt ein modernes Museum für Stadt-, Vor- und Frühgeschichte. Hier stellt die Stadt Hanau ihre archäologischen Schätze aus Stein-, Bronze- und Römerzeit aus. Besonders anschaulich wird die Vergangenheit im Kellergewölbe mit dem rekonstruierten Mithrasheiligtum.
In der gesamten Altstadt wurde Fachwerkgebälk unter dicken Putzschichten freigelegt, sind ganze Häuser entkernt und stilgerecht wieder hergerichtet worden. Der Streifzug durch die Gässchen geht über buckliges Kopfsteinpflaster, Info-Tafeln geben Auskunft über die wichtigsten Gebäude und ihre Geschichte.
Der erst in den 80er Jahren aus dem jahrhundertelangen baulichen Elend erlöste, romantisch mit wildem Wein bewachsene Huttenhof ist heute ein gastronomisches Karree. Es lässt sich dort trefflich speisen, Schleckermäuler loben die cremige Apfelweintorte. Errichtet hat das Anwesen im frühen 16. Jahrhundert Frowin von Hutten, kaiserlicher Rat, Kurmainzer Hofmarschall und Amtmann von Steinheim. Als solcher kontrollierte der Vetter des berühmten Humanisten Ulrich von Hutten vom Main aus ein Gebiet, das sich vom Rodgau bis in den Vorspessart erstreckte. Hundert Jahre zuvor, 1425, hatte der Mainzer Kurfürst den seit 1320 mit Stadtrechten ausgestatteten Ort von den bankrotten Eppsteinern gekauft. Die Erzbischöfe bauten sich die Ritterburg zur Sommerresidenz aus. Bis zur Entmachtung der geistlichen Fürstentümer im frühen 19. Jahrhundert genoss Steinheim den Rang eines Verwaltungsmittelpunkts.
Mit der Angliederung an Hessen-Darmstadt setzte allerdings auch der Weg in die Bedeutungslosigkeit ein. Im Museum ist der Wandel nachzuvollziehen. Ein hölzernes Modell zeigt Steinheim in seiner Glanzzeit, etwa so wie auch der Kupferstecher Merian die Stadt sah und festhielt. Abbildungen verdeutlichen den Niedergang des Schlosses: Von der einstigen Pracht ist nur ein recht kümmerlicher Rest übrig geblieben, weil nach einem Teilabriss im 19. Jahrhundert das Geld für den geplanten Wiederaufbau ausging.
Der Kurmainzer Zeit sind zahlreiche prächtige Fachwerkgebäude zu verdanken, das Haus der Fischerzunft etwa oder das schmucke Maintor. Wunderschön mit seinem Erker und dem kunstvoll gearbeiteten Gebälk präsentiert sich das Haus Nr. 5 am Platz des Friedens. Einst war es in Besitz eines Zweigs der Familie von Schönborn. Im 19. Jahrhundert diente das Gebäude als Schulhaus, heute geht dort ein Frisör seinem Handwerk nach, nostalgisch verkündet mit dem Zunftemblem. Schräg gegenüber steht das Stadtwirtshaus, das erste Gäste- und Schankhaus der Stadt Steinheim. Der „Neubau“, in dem noch heute die Gäste bewirtet werden, besteht schon seit 1731. Die Speisekarte verheißt heimische Küche mit besonderem Pfiff: Steinheimer Apfelweinsuppe mit Käsekrüstchen oder Salmschnitzel nach Art der Steinheimer Fischerzunft unter der Kartoffelkruste und Äpplerschmandsauce.Überhaupt ist Steinheim eine gute Adresse fürs Speisen in urigen Gemäuern oder - bei gutem Wetter - unter freiem Himmel: Insgesamt 50 Gaststätten nennt der Hanauer Stadtteil sein eigen, viele davon in historischem Ambiente.
Im Sommer wirkt die Altstadt wie ein einziger großer, aber sehr gepflegter Biergarten. Appetit macht das vielfältige Speisenangebot, oft wird Traditionelles mit Fantasie aufgepeppt. So gibt es beispielsweise den Handkäs‘ nicht nur mit der traditionellen Musik (ab 2,90 Euro), sondern auch mit Walnussmusik, oder rot mit Haselnüssen, grün mit Lauch, Schmand und Musik. Erfreulich sind auch die Preise, selbst bei kleinerem Geldbeutel wird man satt. Ein Paar Würstchen mit Brot wird schon ab 1.90 Euro angeboten, Hackbraten mit Bratkartoffeln für 5,90 Euro.
Der Liter-Bembel Äppelwoi kostet ab 3,95 Euro. Und den sollte man innerhalb der Stadtmauer schon genießen, denn Steinheim liegt nicht nur an der Apfelweinstraße, sondern genießt seit 1956 zumindest in einer Hinsicht wieder überregionale Bedeutung: Die örtliche Karnevalsgesellschaft SKG kürt jährlich das einzige offizielle Bundes-Äppelwoi-Königspaar. [Quelle: Darmstädter Echo]
Die Altstadt ist heute beliebtes Ausflugsziel, zieht aber nicht nur mit der Deutschen Fachwerkstraße historisch Interessierte an, sondern auch Menschen, die ein reizvolles Ambiente und gute Gastronomie suchen. Als Ausgangspunkt der Hessischen Apfelweinstraße ist die Altstadt Steinheims eine echte Perle Hanaus.
 | Informationen: |
Anreise: Über die B 26 und B 45 geht es nach der Abfahrt Rodgau auf die B 43a Richtung Steinheim Altstadt (beschildert). Bahnfahrer fahren über Frankfurt (dort umsteigen) mit der S-Bahn 8 oder S-Bahn 9 bis Hanau-Steinheim, dann Buslinie 4 Richtung Klein-Auheim.
Öffnungszeiten: Das Museum im alten Schloss ist donnerstags bis sonntags von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Führungen gibt es auf Anfrage, auch Erlebnisführungen mit einer besonderen Thematik sind zu buchen. Turmbesteigung: 1.März – 30. November.
| |  | Auskunft: Stadtführung |
| | | | | | | | | | | Tourist Information Hanau | | | | | Am Markt 14-18 | |  | Öffnungszeit: | | 63450 Hanau | | | Mo. – Do. 9.30 – 18.00 Uhr |  | +49 (0)6181/295-950 | | | Fr. 8.30 – 13.00 Uhr |  | +49 (0)6181/295-959 | | | Sa. 9.00 – 12.00 Uhr. | | sowie per e-Mail unter | | | | | touristinformation@hanau.de | | | | | | | | |  | Homepage | | | |
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